Freitag, 3. Juli 2015

Dauernd diese Flüchtlinge!

Jetzt reden wir einmal nicht dauernd über Flüchtlinge. Das geht mir schon auf die Nerven.

Befassen wir uns lieber mit einer spannenden Geschichte, einem Krimi, wo jeder selber bestimmen kann, wie er ausgeht.

Du hast ein Haus im Grünen, eine Familie und einen Hund. Die Nachbarn sind relativ weit entfernt, erst hinter der nächsten Biegung - sind also nett. So weit man sie kennt. Die sind ja kaum zu Hause, und wenn, dann erst ab dem späteren Abend. Sie haben eine Katze. Die ist auch nett und verträgt sich mit deinem Hund.

Alles ist bestens. Doch eines Nachts passiert es:

Der Sonntags-Tatort hat sich gerade aufgelöst, der Täter ist gefasst (es waren doch nicht die jugendlichen Großmäuler aus Serbien, sondern der pädophile Bademeister) und die ZiB nähert sich auf der unvermeidlichen Werbeblockwelle. Das kennst du schon alles, du brauchst eh nichts von dem Klumpert und die Nachrichten gehen dir auch schon sonst wo hin. Dauernd geht's um irgendwelche Kriege, Flüchtlinge und so. Unangenehm!

Zähneputzen! - Wichtig, damit sich die Brösel der Fernsehknabberei und die Farbe vom Rotwein aus dem Gebiss lösen -, dann noch ein bisserl waschen und auf ins Bett. Morgen ist schließlich ein Arbeitstag. Und deine Arbeit ist anspruchsvoll. Immerhin kannst du dir deshalb ein Haus leisten.

Deine Frau oder Mann - je nach dem wer du bist und wen du gerne hättest ... - muss auch zeitig in der Früh raus. Körperlich wird sich jetzt ohnehin nichts mehr abspielen, das war schon Sonntag Vormittag - das bisserl Waschen wird also schon genügen.

Kaum bist du mit allem fertig und bereit, in die Federn zu schlüpfen, hörst du ein Kratzen an der Eingangstüre.

Du denkst: „Aha, die Nachbarkatz’ hat Hunger.“ und überschlägst aus dem Gedächtnis die Angebote des Kühlschranks. Lungenbraten oder so.

Du machst die Türe auf, um das Kätzchen hereinzulocken. Die sind ja allerliebst, wenn sie noch ein bisschen scheu sind.

Und plötzlich steht da eine junge Familie vor dir – total abgehetzt, fertig, in Panik, nervös, voller Angst. Ein junges Paar mit Butzerl.

„Jessas Maria und Josef!“ – Aber diese Drei sind es nicht. Er ist ein etwas dunklerer Typ, das Baby – na ja, ein Baby eben … klein, was sonst? – und die junge Frau redet schnell und hat möglicherweise einen steirischen Migrationshintergrund.

Die Geschichte ist abenteuerlich, die sie erzählt:

Sie waren mit dem Auto unterwegs, plötzlich liegt einer auf der Straße, sie bleiben stehen, um zu helfen, da springt der auf, hält ihnen eine Pistole vors Gesicht und raubt sie aus. Als er ins Handschuhfach schaut und kurz abgelenkt ist ergreifen sie nicht nur die Gelegenheit, sondern auch die Flucht und rennen in den schützenden Wald. Und wie sie durchs Gebüsch hetzen schießt ihnen der Verbrecher nach. Wahrscheinlich ist er ihnen noch immer auf den Fersen, um die kalt zu machen, die sein Gesicht gesehen haben.

Sie haben Licht in deinem Haus gesehen und erhoffen sich nun Rettung.

Da stehst du nun in deinem Pyjama und weißt nicht, was du tun sollst. Die Räubergeschichte kann man glauben oder auch nicht. Was wollen die wirklich? Kann man die hereinlassen?

Wenn die Geschichte wahr ist, so ist das der Beweis dafür, dass man niemandem trauen sollte, weil sonst ist man der Blöde.

Wenn die Geschichte aber nicht wahr ist, so ist das erst recht der Beweis, dass man nicht helfen sollte. Da wäre man ja schön blöd.

Wenn diese junge Familie nun doch vor deinem Haus erschossen wird, so sind die selber schuld, weil sie so naiv waren, einem Fremden helfen zu wollen. Andererseits hast aber dann du ein schlechtes Gewissen, weil du so naiv warst, ihnen nicht zu glauben. Und jetzt kugeln da drei Leichen vor deiner Haustüre herum. Wo kämen wir denn da hin, wenn man jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben müsste, wenn es an der Türe kratzt?

Was wirst du tun?

Du hast nicht viele Möglichkeiten: Du machst einfach die Haustüre zu. Und wenn draußen der Verbrecher herumballert, so kannst du nur hoffen, dass er nicht die Katze vom Nachbarn erwischt, weil die ist immer so nett. Aber er erwischt das Pärchen mit Kind. Jetzt hast du das Problem mit dem Gewissen am Hals und wartest auf die Polizei. Die Beamten fragen dich natürlich, warum du diese junge Familie nicht hereingelassen hast. Du antwortest, dass du das Gefühl hattest, überfallen zu werden. Die Polizei hat Verständnis, sagt: „Unter diesen Umständen ist unterlassene Hilfeleistung nachvollziehbar.“ und geht.
Wie du das mit deinem Gewissen erledigst ist deine Sache. Leicht wird’s nicht. Gewissen kann man nicht so leicht ausschalten, außer du hättest keines. Dann wärest du aber selber schon Verbrecher.

Du kannst aber auch noch was anderes tun: Du lässt die Familie herein. Aber nur ins Vorzimmer. Nicht weiter! Du gibst ihnen was zu trinken und vielleicht noch was zu Essen. Die Katze hättest du schließlich auch gefüttert, um dich bei ihr einzuschleimen. Du passt gut auf, was sie tun, verfolgst jede verdächtige Bewegung.
Du rufst die Polizei.
Die Beamten fragen: „Wo ist denn nun der Verbrecher, der geschossen hat?“
Das weiß natürlich keiner.
Und unter diesen Umständen ist eine Amtshandlung wohl schwer zu rechtfertigen. Es liegt ja nichts vor. Und erzählen kann man viel.

Wenn du aber Glück hast - und es soll ja gelegentlich vorkommen, dass man Glück hat - sind der junge Mann und die junge Frau auch sehr nett und das Kind still – na ja, dann könnte man mit ihnen reden und kommt vielleicht drauf, dass sie unterwegs waren, sich ein Haus in der Gegend anzuschauen, das zum Verkauf steht.

Wo denn?

Gleich in der Nähe. Dort hinter der nächsten Biegung.

Aber dort sind doch … Die Nachbarn verkaufen ihr Haus? Sehr interessant. Obwohl … sehr viel Kontakt hatte man ja nie mit denen. Und wer weiß, was die den ganzen Tag getrieben haben.

Wenn nun dieses nette Ehepaar mit dem entzückenden Baby dort einziehen würde –  das wäre gar nicht so übel. Jetzt, wo man sich unter abenteuerlichen Umständen kennengelernt hat. Das schweißt zusammen.

Und Zusammenhalt ist ja so wichtig in Zeiten wie diesen! Wo man nicht einmal mehr mit dem Auto stehen bleiben darf, um jemandem zu helfen.

Amerikanische Verhältnisse sind das. Jawohl. Zutiefst amerikanisch.

Und dann bittest du sie ins Haus und stellst ihnen deine Familie vor. Und den Hund. Er geht ihnen gleich zu. Hunde haben ein Gespür für nette Menschen. 

So könnte es noch ein schöner Abend werden. Ihr habt es lustig, ihr lernt euch kennen, sagt eure Namen und seid bald per "du". Burgi, die Frau mit dem steirischen Migrationshintergrund sagt: "Eigentlich sind wir Flüchtlinge, du hast uns aufgenommen und wir müssten dir jetzt unsere Ausweise zeigen!"

"Blödsinn!" sagst du. Man hat ja schließlich auch einen Grundinstinkt. Und der Hund sowieso.


Das würde passieren, wenn du Glück hättest. Und es kommt manchmal vor, dass man Glück hat...


Donnerstag, 21. Mai 2015

Conchita und die Affenbande

Da soll noch einer sagen, der Mensch stamme nicht vom Affen ab.

Gerade jetzt, wo es um echt was geht - also um Conchita und den Song Contest - da raschelts im Gebüsch, da ist man aufgeregt, da überschlagen sich die Toleranten vor lauter Toleranz und Belehrungssucht, damit die Intoleranten schon an Fußgängerampeln sehen wie intolerant sie sind. Schwul oder nicht schwul, bi oder sonstwas - Sex ist Thema und die Guten sind dafür und die Bösen sind dagegen.

Warum?

Da gibt es jemanden - und welche sexuelle Polung dieser Jemand hat ist eigentlich ziemlich Wurst - und dieser Jemand hat eine Kunstfigur erfunden, die es eigentlich in Wirklichkeit gar nicht gibt, oder nur kaum oder fast gar nicht: Eine Frau mit Vollbart.

Da war die Affenbande schon sehr aufgeregt und bekam Angst um das alte sexuelle Abendland. Dass dieser Jemand aber echt was kann, mit großem Fleiß und Ausdauer seine Kunstfigur verfeinert, perfekt Englisch spricht (soweit ich das beurteilen kann!), sich in schwierigsten Begegnungen niemals blamierte, profunde Reife in allen Statements beweist und nicht zuletzt auch noch so gut singen kann, dass ein ganzes Land davon profitiert - das übersehen die Affen auf ihren Stämmen und Stammtischen. Ihr Thema bleibt Sex.

Dass sich seinerzeit keiner aufgeregt hat, als Disney eine Ente mit Matrosenanzug schuf, ist klar. Enten sind wohl geschlechtslos.

Doch in der Affenbande lauern auch echte Teufel. Und die sehe ich schon zum Sprung ansetzen. An Conchitas Gesicht sieht man - mit Verlaub -  im Vergleich zum Vorjahr den Hype, den Stress, den körperlichen Raubbau. Hat sie abgenommen? Was ist los mit ihr?

Bald wird ein Zeitungsaffe ganz zufällig neben einen Conchita-Bericht eine Werbeanzeige gegen Essstörungen setzen und ein anderer Affe wird sich öffentlich in Sorgenfalten hüllen und harmlos - ohne natürlich was unterstellen zu wollen! - die Frage stellen "Hat Conchita Aids?".

Und wieder wird es rauschen im Affenblätterwald, bis einer schreiben wird: "Die Conchita-Tragödie: Wie Journalisten ihr Leben zerstören."

Flugs wird sich der Kampusch-Retter von "Thema" im ORF der Sache annehmen und der ORF kann somit die Wurst gleich zwei Mal aussaugen. Einmal als SC-Ikone, ein zweites Mal als Showbiz-Opfer.

Conchita gib Acht! Die Affen lauern überall.

Iss' was G'scheit's.

Donnerstag, 30. April 2015

Die große Chance des ORF

... wäre es, weniger plump das Publikum zu verarschen.

Dass Ö 3 von Deutschland beeinflusst wird, weiß mittlerweile jeder. Daher ist der Austropop für dieses Nobelformat "zu schlecht".

Dass die Romy-Preisträger angeblich vom österreichischen TV-Publikum gewählt wurden, glaubt nicht einmal mehr der Naivste unter den ORF-Gläubigern.

Und dass die "Große Chance der Chöre" dazu da ist, Chancen zu GEBEN, ist pure Wichtigtuerei. Ich kenne Laien-Chöre, die vom ORF angeschrieben wurden, ob sie nicht vielleicht doch mitmachen würden, weil sich zu wenige Teilnehmer gefunden hätten.

Die wohl einzige ernst zu nehmende A Capella - Gruppe Österreichs, nämlich "Die Echten", haben ganz sicher keinen Knebelvertrag unterschrieben, weil sie eine "Chance" kriegen. Die haben umgekehrt dem ORF eine Chance gegeben. Da ginge ich jede Wette ein.

Die Jury bei dieser hochgezüchteten Show-Krücke ist ja ganz nett, wenn da nicht dieses eine völlig ahnungslose Plappermäulchen wäre, das Dschungel-Model Larissa. Über die anderen könnte man diskutieren, aber Fakt ist: Frau Sarata ist Gesangsprofi und deckt eben die konservative Seite der Show ab, Oliver Pocher kommt aus dem Showbiz und der "Inder" kennt sich in dem Genre sehr wohl aus.

Larissa, die selbsternannte "Schauspielerin" - und damit beleidigt sie alle wirklichen Schauspieler - kriegt lediglich mit, welches Gesicht der Oliver während einer Darbietung macht und plappert sofort bluffartig los, um Kompetenz vorzutäuschen. So wie wir alle das schon mal in der Schule gemacht haben, wenn wir mit Prüfungsfragen komplett überfordert waren. Nur mit dem Unterschied, dass wir keine Gage sondern einen Fünfer kassierten.

Und wenn sie sagt "Da kriege ich Gänsehaut", so verrät sie lediglich eine biologische Tatsache.

Eigentlich sehr unsympathisch, dieser ORF.

Mittwoch, 15. April 2015

Häupl geht ham!

Da hab ma alle g'lacht! Also wie der volksnahe Herr Bürgermeister Häupl kürzlich in altbewährter Stammtischmanier die alljährliche Idee einer Erweiterung der Lehrverpflichtung für LehrerInnen kommentierte, das war schon lustig und hoffnungsreich! 

Er sagte: "Wenn ich 22 Stunden oabeit, bin i am Dienstag z'Mittag fertig. Dann kann i ham gehn."

Jaaaa! Der Häupl geht ham! Ist das nicht eine große Hoffnung? 

Die Lehrer und Lehrerinnen würden dann ab Dienstag nicht mehr von rauschbirnigem Populismus belästigt werden, könnten sich endlich ungestört den übrigen Arbeiten in weit größerem Ausmaß als 22 Stunden widmen und die Winzer der Gegend hätten ob eines freilaufenden Häupls weitere erhebliche Umsatzsteigerungen zu erwarten.

Die Stammtische werden sich wieder biegen vor Lachen, weil sich ein ahnungsloser, aber umso fröhlicherer Schenkelpracker dazugesellt, quasi ein Geselle, der nicht einmal im Schmähführen Meister werden wird.

Und die Lehrer und Lehrerinnen dürfen dann die Idioten betreuen, die schon in jüngsten Jahren auf spaßgesellschaftlichen Populismus hereinfallen, nur weil ein stimmenheischender Irgendwer sich als "lustig" verkaufen will.

Heute ist Mittwoch. Hoffentlich ist der bürgerverblödende Meister wie versprochen daheim geblieben!

Es wäre wahrlich kein Schaden.

Sonntag, 15. Februar 2015

Achtung! Augenauswischerei!

Die Schulen in Wien bieten Gratis-Nachhilfe an! Ist das nicht toll? 
Weniger toll ist allerdings die Tatsache, dass diese Maßnahme lediglich als pure Augenauswischerei für plumpe Wählerschichten und ahnungslose Medien zu betrachten ist.
Vor ca. 40 (!) Jahren gab es schon die so genannten "Förderkurse" für schwächere Schülergruppen ab 7 Uhr oder am Nachmittag. Irgendwann hat man aber bald erkannt, dass diese Idee praktisch gar nichts bringt außer Schülerfrust. Demnach verschwanden diese Förderkurse wieder und tauchen jetzt in fast identer Form als neue Errungenschaft unter dem Namen "Gratis-Nachhilfestunden" auf. 
Es wird genauso niemandem nützen wie vor Jahrzehnten - außer den Bildungspolitikern, indem der Schein entsteht "super, die tun endlich was!"

Eine Nachhilfe in Gruppenstärke ist absolut sinnlos, noch dazu, wenn in diesen Gruppen auch SchülerInnen anderer Schulen sitzen sollen.

Lernschwächen können viele Ursachen haben. Konzentrationsschwächen, geringes Selbstbewusstsein, problematische familiäre Umstände, zu hoher Leistungsdruck im Unterricht, Lese- und Schreibschwächen  u.s.w.
In der Gruppe ist es daher auch für die fähigsten Pädagogen unmöglich, individuell auf die Ursachen einzugehen. 

Außerdem weiß ich aus meinen Erfahrungen als Hort-Lernhelfer und auch als Nachhilfelehrer, dass die Methoden, den Lehrstoff verständlich zu machen, von Schule zu Schule, von Klasse zu Klasse, von LehrerIn zu LehrerIn total verschieden sein können. Das bedeutet, dass meine Methodik bei dem Schüler oder der Schülerin auf völliges Unverständnis stoßen und sogar massive Verwirrung bewirken kann.

Wirklich zielführende Nachhilfe kann nur mit der Einzelperson erfolgen, womöglich in deren üblichem Lernumfeld daheim und im Kontakt mit der entsprechenden Lehrkraft. Nur so können die Ursachen - und das sind oft nur Kleinigkeiten! - erkannt werden.

Die hoch gepriesene "Gratis-Nachhilfe" entpuppt sich als uralter Etikettenschwindel und politische Augenauswischerei.

Und wenn dann eine Volksschullehrerin in der Zeitschrift "Profil" darüber klagt, dass sie bisher um 12 Uhr aus hatte und durch die neue Nachhilfe am Nachmittag 2 Stunden warten müsse - dann verstehe ich die ätzende Ablehnung von Journalisten und Lesern gegen die Lehrerschaft.

Ja, auch LehrerInnen haben oft Berufsauffassungs-Schwächen und bedürften einer (oder mehrerer) Nachhilfeeinheiten. Aber ich fürchte, in manchen Fällen wären auch die umsonst ...


PS:  Auf meiner Homepage www.krennreiberl.at gibt es neuerdings eine satirische Seite "ÜBER AKTUELLES". 
Und für die Damen und Herren Abgänger der HS Am Schöpfwerk finden sich ab sofort über 100 Fotos der Schullandwoche 1992 in Birnberg (allerdings nur mit Zugangs-Passwort - eh kloa).

Freitag, 23. Januar 2015

Abzocker Schule für Förderbedarf?

Lasst mich jetzt einmal ganz böse sein - und unkorrekt - und emotional - und überdeutlich - und hilflos herumschlagend!

Ich glaub ich träume. - Der "Behindertensprecher" (Wos waß i wie der haßt! - Sein Name wird nicht in die Geschichte eingehen!) - meinte vor einigen Wochen, dass die Schulen "besonderen Förderbedarf" forcieren, um mehr Steuergeld herauszuschlagen. - SO EIN SCHWACHSINN !

Das Gegenteil ist der Fall! - Die Lehrerschaft wäre froh, wenn es WENIGER SchülerInnen mit Förderbedarf gäbe! Der Mann hat keine Ahnung, was sich in den Klassenräumen abspielt.

Besonders genannt werden die Polytechnischen Schulen. Der Herr Behindertensprecher soll sich wenigstens einmal in eine Polyklasse setzen und sich dem Erstaunen hingeben, wie viel Verzweiflung es kostet, etliche Jugendliche auf das Berufsleben vorbereiten zu müssen, die weder schreiben noch lesen können und so was von entfernt den Wirtschaftsanforderungen sind, dass man um kein Geld dieser Welt solche SchülerInnen unterrichten würde wollen, wenn es sich vermeiden ließe.

Der Herr Behindertensprecher hat offenbar noch nicht erkannt, dass er eigentlich für unsere ganze Gesellschaft zuständig ist. Eine Gesellschaft von emotional gestörten, bildungsresistenten, konsummanipulierten und konzentrationsunfähigen Mitläufern, die mangels eigener Kritikfähigkeit jederzeit bereit sind, dem Behindertensprecher Recht zu geben, weil Schule sowieso pfui ist  - und daher wird der g'studierte Herr Behindertensprecher schon Recht haben.

Soll er doch einmal wenigstens eine Woche lang den 14-jährigen in den Polys das Lesen beibringen! Da würde der g'scheite Herr Behindertensprecher sehen können: Lehrkräfte und Direktoren würden gerne selber was bezahlen, wenn der Spuk der gesellschaftlichen Bildungsresistenz endlich ein Ende hätte! Woher aber kommt dieses gesellschaftliche Defizit?

Weil die durch Finanzkrisen aufgescheuchte Konsumgesellschaft schneller und kälter geworden ist als vielleicht der Herr Behindertensprecher selber - auf jeden Fall aber schneller und kälter als unsere Jugendlichen, die im sicheren, aber bereits bröckelnden Sozialnetz Hoffnung geschöpft haben und nicht begreifen, dass man dafür auch was tun sollte.




Montag, 10. November 2014

Sprachlicher Niedergang

Diese verniedlichende Lehrersprache bürgert sich nun auch vermehrt im ORF ein:
"habt's", "tut's", "macht's", "sagt's", "kommt's" - diese Unart, Verben der 2. Person Mehrzahl mit einem "s" zu behübschen, ist nervtötend und keineswegs ein Ausdruck lockerer und volksnaher Umgangssprachlichkeit.

Andi Knoll - immerhin ORF Moderator - ist in dieser Beziehung ein besonders hartnäckiger Fall. Aber auch außerhalb der "Großen Chance", wo schlichte Gemüter Sendung für noch schlichtere Gemüter machen, macht sich der Verfall der deutschen Sprache breit.

Nachrichten, Interviews, Kindersendungen - überall zischelt's und lispelt's in der ungeschulten Moderatorenschwemme.

Es würde doch schon genügen, wenn sich nur Lehrer und Lehrerinnen im Eifer um kindgerechte Anbiederung vom grammatikalischen Irrsinn leiten ließen. Jetzt versuchen auch noch Menschen, die irrtümlich den Beruf "Sprecher" für sich in Anspruch nehmen, nicht direkt Umgangssprache, sondern eher vornehme Umgangssprachlichkeit zu signalisieren. Also Umgangssprache, die in keinem einzigen Bundesland gesprochen wird. Nicht einmal in Wien. Da müsste es nämlich heißen: "es hobt's", "es tuat's", "es sogt's" und: "Es kummt's dermaßen deppat ume mit eicherer Sproch, dass ma speiben mechat!"

Spitzts die Ohr'n, passts auf, vergessts das Vornehm sein, reißts euch zsamm - sonst sitzts, lassts, wünschts, heizts, reists, löschts, klatschts, huschts, kreischts, schwitzts, blitzts, mixts, murksts, verhunzts, furzts und scheißts die Sprache zu.

Indem ihrs lasch vernaschts.